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Agoraphobie

 

Agoraphobie was ist das denn? Angst vor Angora? Nee, natürlich nicht. Für die Jenigen, die davon betroffen sind, stellt das ein großes Problem mit drastischen Einschränkungen im normalen Alltag dar.

 

Grob beschrieben ist es eine Art Platzangst, die sich nicht nur auf enge Räume bezieht. Große Plätze, Menschenmassen, Kaufhäuser, Warteschlangen, Zahnarzt und vieles mehr können eine Panikreaktion zur Folge haben. Selbst Dinge, die den Meisten Freude bereiten, können ein kaum überwindbares Hindernis sein! Ich gehe z.B. nur äußerst ungern Essen.  Ich definiere das Problem auf alles, wo keine „Fluchtmöglichkeit“ besteht. Ich weis natürlich, dass ich jederzeit aufstehen oder weggehen könnte. Ich mache es aber nicht um bloß nicht aufzufallen.

 

Wer nicht betroffen ist wird vielleicht fragen, wo ist das Problem im Supermarkt? Zunächst muss man durch den ganzen Markt. Ist der Ausgang zu sehen sinkt die Anspannung im Normalfall. Man kann gleich raus an die frische Luft. Aber was ist, wenn sich an den Kassen lange Schlangen bilden? Klar einfach warten bis man dran ist. Weggehen wäre ja möglich. Man muss nur den Einkaufswagen stehen lassen, sich durch die Schlange nach vorne kämpfen um dann rauszukommen. Folge, man fällt jetzt richtig unangenehm auf.

 

Daraus ergibt sich bei Betroffenen oft eine Vermeidungsstrategie. Wenn man irgendwo schlechte Erfahrungen gemacht hat meidet man so eine Situation zukünftig. Irgendwann reicht dann schon die bloße Vorstellung aus, es könnte keine Fluchtmöglichkeit bestehen. So entwickelt sich mit der Zeit eine erhebliche Einschränkung des Lebens. Man geht nirgendwo hin, findet Ausreden um nicht zu einer Feier zu müssen, geht nur noch Einkaufen wenn man sicher ist, dass der Laden nicht so voll ist, sucht lieber kleinere Geschäfte aus usw.

 

Spätestens an diesem Punkt wird eine Therapie unvermeidlich. Es ist aber nicht mit einmaligen positiven Erfahrungen getan. Wenn man sich so einer Situation regelmäßig aussetzt, sinkt der Stresspegel erheblich. Man freut sich über jeden Erfolg. Vor allem, wenn die Erkrankung bereits sehr lange besteht. Aber selbst wenn es 10-mal gut gegangen ist, ergibt sich nur einmal eine Art Panikattacke, geht man zukünftig wieder mit erhöhter Anspannung dort hin.

 

Symptome sind bei mir eine große innere Anspannung, Herzklopfen, schwitzen, Geräusche klingen weit entfernt und dumpf bis hin zum Drehschwindel. Man wird dadurch einem enormen Stress ausgesetzt. Bei mir beginnt das mit Schweißausbrüchen, Ohrensausen, Pfeifen im Ohr. Dann wird es Zeit für mich zu handeln. Aufgrund einer äußerst ungünstigen Konstellation mit einem Problem des vegetativen Nervensystem und einer Herz- Kreislauferkrankung geht das schon mal bis zum Kreislaufzusammenbruch. Normalerweise führt eine Phobie nicht so weit!

 

Umso wichtiger ist eine fachgerechte Therapie. Es wird einem bewusst, wie weit das Leben davon beeinflusst wird. Neben Medikamenten führt eine gute Verhaltenstherapie nach und nach zu Verbesserungen. Sich selber bewusst mit solchen Situationen zu konfrontieren ist einem irgendwann möglich. Man sollte daher, auch bei Rückschlägen, niemals aufgeben.

 

Richtet euren Blick nicht auf den Berg der noch vor euch liegt! Blickt zurück auf das, was ihr bereits geschafft habt! Nehmt professionelle  Hilfe an, versteckt euch nicht deswegen. Macht eine stationäre Therapie wenn nötig. Das ist keine Schande! Versucht zu entspannen und stellt euch nicht krampfhaft vor, was alles passieren könnte. Redet offen darüber. Das hilft!

 

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