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Psychologie -  Schutzschild / Depression / Burnout

 

Psychologische Diagnose als Schutzschild

 

Je nach Art und Ausprägung emotionaler, psychischer oder körperlicher Probleme bedarf es individueller „Überlebensstrategien“. Idealerweise unter ärztlicher und psychologischer Betreuung. Einige wenige echte Freunde, die zuhören können, mit ihrer Bereitschaft „da zu sein“, können ebenfalls hilfreich sein. Die aber auch ehrlich sagen wenn sie etwas nicht richtig finden. Die Betroffene nicht in Watte packen oder ständig bemitleiden. Offen darauf hinweisen wenn ein Erkrankter anfängt seine vermeintliche Diagnose, die bei psychischen Erkrankungen nicht immer eindeutig gestellt werden können, wie ein Schutzschild vor sich her zu tragen. Die eine zunächst vielleicht nur als Verdacht unterstellte Erkrankung als Rechtfertigung für jegliches Verhalten heranziehen. Wie eine Art Universalentschuldigung die einem ganz bequem jede Eigenverantwortung abnimmt. Das steht im krassen Widerspruch zu einer echten Therapie und wird vom persönlichen Umfeld auf Dauer bestimmt nicht akzeptiert. Die tatsächlich vorhandenen Symptome, die ja niemand bestreiten wird, können durch hineinsteigern in einer Katastrophe enden.

 

Es ist natürlich nachvollziehbar wenn jemand, der bislang nicht wusste was für seine Probleme verantwortlich war, es nach einem Verdacht oder einer Diagnose hinaus schreien und es sich von der Seele reden möchte. Damit „beweisen“ will dass es einen plausiblen Grund für vielleicht ungewöhnliches Verhalten gab. Das Umfeld endlich erkennt das es keine Einbildung oder gar der Versuch Aufmerksamkeit zu bekommen war. Solche Dinge werden leider häufig unterstellt. Wenn man den inneren „Feind“ kennt kann man anfangen ihn zu bekämpfen. Wie bei jeder anderen Erkrankung auch. Es ist aber kritisch sich auf Dauer hinter einer Diagnose zu verstecken. Das hilft, auch bei viel ehrlicher Unterstützung aus dem persönlichen Bereich, leider nicht. Der Weg zu Linderung oder Heilung, soweit möglich, ist oft lang und steinig. Man muss es selber wollen und hart daran arbeiten. Alle anderen, auch Mediziner, können meist nur unterstützen.

 

Was einen aufrecht halten kann? Jedes Ereignis geht auf die ein oder andere Weise vorüber. Die Zeit bleibt niemals stehen. Lässt vieles verblassen. Das Riesenproblem oder die Notlage von heute sind, je nach Art der Bewältigung, die negative oder sogar positive Erfahrung von morgen. Aber eben nur noch eine Erinnerung. Der wichtige Grund, der einen heute noch verzweifeln lässt, ist nach einiger Zeit bereits wieder Geschichte auf die man mit veränderter Sichtweise zurück blicken kann. Von Trauer und Leid besonders nahe stehender Menschen einmal abgesehen! Solche Wunden verheilen nie. Man könnte versuchen der Vergangenheit keinen so großen Stellenwert einräumen? Damit der Kopf für neue, wichtigere Gedanken frei wird. Es sind auch nicht alle Probleme um einen herum die eigenen. Andere müssen selber Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Ich weiß, so etwas lässt sich leicht daher sagen. Zumal wenn man sein eigenes Leben nicht richtig in den Griff bekommt. Als Leitlinie kann es trotzdem helfen viele Dinge leichter zu ertragen.

 

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Depressionen

 

Allgemeine Winterdepressionen treten, wie der Name schon sagt, saisonal in der dunklen Jahreszeit Herbst und Winter auf. Häufig Symptome sind Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, Heißhunger, gedrückte Stimmung. Oft herrscht auch einfach nur Frust an bestimmten Feiertagen, weil man es nicht mehr gewohnt ist so viel Zeit auf begrenztem Raum miteinander zu verbringen. Nach außen soll Friede, Freude Eierkuchen demonstriert werden. Hinter verschlossenen Türen regieren nicht selten Streit und Terror. Im Frühjahr, bei zunehmender Sonnenstrahlung, bessert sich der Zustand in der Regel von selber.

 

Schwerere Depressionen treten ganzjährig in unterschiedlicher Ausprägung auf. Antriebslosigkeit, ungewöhnlich großes Schlafbedürfnis, aufgeben, sich zurückziehen, heftige Stimmungsschwankungen, emotionale Ausbrüche, das Gefühl der Wertlosigkeit, tiefe Traurigkeit sind alarmierende Anzeichen. Unbehandelt kann es bis zu selbstverletzendem Verhalten oder Suizid führen. Es handelt sich daher um eine ernstzunehmende Erkrankung die unbedingt das Einbeziehen von Ärzten (Psychiater) und Psychologen erforderlich macht.

 

Am Jahresende kommt es für einige Menschen mit Depressionen zu einer zusätzlichen emotionalen Tiefphase. Vergessene oder verdrängte traumatische Ereignisse kommen, bewusst oder unbewusst, durch „Flashbacks“ wieder hoch. Erinnerungen an Kinder, Angehörige oder Freunde, die nicht mehr bei einem sind, können an bestimmten Schlüsseltagen wie Weihnachten, Sylvester, Geburtstag und anderen wichtigen Jahrestagen depressive Schübe auslösen. Befindet man sich im Kampf mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung, bei der man selber keine Möglichkeit hat aktiv etwas zu tun, kann einen das genauso in tiefe emotionale Krisen stürzen. Beispielhaft sei hier die unkalkulierbare Wartezeit auf ein Spenderorgan oder der ungewisse Ausgang einer Krebstherapie genannt.

 

Wer derartiges in seinem Umfeld bemerkt kann versuchen im vertraulichen Gespräch Unterstützung anzubieten. Einfach zuhören kann schon viel bewirken. Im Zweifelsfall ist aber auf jeden Fall ein Arzt erforderlich!

 

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Burnout

 

Zunächst sei erwähnt das „Burnout“ kein medizinischer Fachbegriff ist, auch wenn er umgangssprachlich oft verwendet wird. So wie ich es verstanden habe handelt es sich dabei um schwere Formen der Depression. Wobei man längerfristig beruflich als auch privat über seine persönliche Belastungsgrenze hinausgegangen ist. Verborgene Vorerkrankungen, kombiniert mit zum Teil selbst gemachten Leistungsdruck, ursächlich dazu beigetragen haben. Ich gehöre auch zu denen die immer dachten, psychische Probleme, was kann das schon sein. Persönliche Krise? Depression? Suizid Gedanken? Ich doch nicht. Burnout? Ich habe immer viel gearbeitet, war noch nie ein Problem. Bis die Krise dann da war.

 

Permanente Müdigkeit, dennoch Schlaflosigkeit weil man seine Gedanken nicht „abstellen“ kann. Man ist kaum mehr in der Lage einfachste alltägliche Aufgabe zu erledigen. Beinahe jede Kleinigkeit wird zu einer unüberwindbar scheinenden Hürde. Antriebslosigkeit und Traurigkeit, das Gefühl nichts mehr auf die Reihe zu bekommen, nichts wert zu sein werden unerträgliche Begleiter. Oftmals wird das persönliche Umfeld in Mitleidenschaft gezogen. Man zieht sich an vermeintlich sichere Orte zurück. Wo man weiß dass man dort einfach liegen bleiben kann wenn nichts mehr geht. Das kann das Bett oder auch eine Couch sein. Gut gemeinte Hilfsangebote aus dem persönlichen Umfeld werden ausgeschlagen weil man keine Perspektive mehr sieht. Innerlich aufgegeben hat. Ohne professionelle ärztliche Hilfe kommt man da kaum mehr raus.

 

Wie kann es soweit kommen? Oftmals ist es ein unerwarteter Anlass, der einen vollkommen aus der Bahn wirft. Wo sind die Ellenbogen die man sonst eingesetzt hatte? Wieso geht einem vieles jetzt so nahe? Plötzlich merkt man wie dramatisch und emotional psychische Probleme werden können. Was einen an der eigenen Existenzberechtigung zweifeln lässt.  Aber was auch immer der letzte Auslöser einer Krise ist. Es beginnt in den meisten Fällen schon viel früher. Probleme werden nicht beachtet, unterdrückt oder einfach verdrängt.

 

Anfangs war es mir noch peinlich psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Man könnte in die Ecke von „Verrückten“ gestellt werden. So ist es aber nicht. Wer sich seinen Problemen stellt hat gute Chancen wieder raus zu kommen. Zumindest aber eine deutliche Verbesserung zu erreichen. Eine stationäre Behandlung in einer (Reha) Klinik findet, solange keine Selbstgefährdung vorliegt, nicht auf einer geschlossenen Station statt. Ist von einer anderen Klinik kaum zu unterscheiden. Medikamente, soweit erforderlich, vertrauliche Gespräche und andere Psychotherapien helfen Ursachen zu finden und damit umzugehen. Sein Leben zu verändern. Burnout / Depressionen können unbehandelt tödlich enden! 

 

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